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Filmschau von „Nae Pasaran!“

September 9 @ 8:15 a.m. - 11:30 p.m.

Demokratie bedeutet „Herrschaft des Volkes“. Ohne deren tatsächliche Verwirklichung in allen gesellschaftlichen Bereichen, d.h. insbesondere in Wirtschaft, Politik, Medien, Kultur und Recht, bleibt sie eine liberale Chimäre, die nichts anderes ist als die Herrschaft der wenigen Reichen und ökonomisch Mächtigen über die vielen einflusslos arbeitend Armen – unter dem Vorzeichen formal gleicher Rechte. Sie ist (erst recht militärisch) nicht zu verteidigen, sondern zugunsten der tatsächlichen Souveränität der Vielen über den kollektiven Geschichtsprozess umzugestalten.

Den ersten Versuch in dieser Hinsicht unternahm die Bevölkerung Chiles, als sie 1970 Salvador Allende zum Präsidenten wählte. Das Regierungsprogramm seiner Partei, der Unidad Popular, bestand u.a. in der Nationalisierung aller Reichtumsressourcen des Landes, die nach 400 Jahren kolonialer Ausbeutung dem Wohl der chilenischen Bevölkerung zu Gute kommen sollten, sowie in der Garantie des Rechts auf kostenfreie Bildung, Gesundheit, Kultur, soziale Sicherheit und politische Teilhabe für Jeden. Dagegen richtete sich der 1973 mit Hilfe der CIA orchestrierte Putsch von Militärs, Großindustriellen, Landbesitzern und einer reaktionären Opposition, der in der blutigen Diktatur des Generals Pinochet und dem neoliberalen Ausverkauf des Landes resultierte.

Die 1973 sofort begonnene, internationale Solidaritätsbewegung für Allende und die Unidad Popular ist ein historisch einzigartiges Beispiel für die notwendige Verwirklichung tatsächlicher Demokratie – auch heute.

In diesem Sinne ist der 2018 vom chilenischen Regisseur Felipe Bustos Sierra veröffentlichte Dokumentarfilm „Nae pasaran!“ ein äußerst lehrreiches Dokument.

Er macht durch Interviews und Archivmaterial die bahnbrechende Wirkung eines Solidaritäts-Streiks von Arbeitern des Rolls-Royce-Turbinenwerks im schottischen East Kilbride sichtbar, die den Beteiligten selbst bis zu den Filmarbeiten unbekannt geblieben war.

Entsetzt von den Berichten über das brutale Vorgehen der Putschisten in Chile entschloss sich Bob Fulton im Jahre 1974, die Instandsetzungsarbeiten an gerade angelieferten Turbinen aus dem lateinamerikanischen Land zu blockieren. Es handelte sich um einen Auftrag der chilenischen Luftwaffe, deren Flugzeuge beim Putsch den Präsidentenpalast bombardiert hatten, und die nun ohne die Wartung im schottischen Ursprungswerk nicht wieder in Betrieb genommen werden konnten. Fulton und seinen Kollegen gelang es nicht nur, die lokale Gewerkschaftsführung von dieser Streik-Aktion zu überzeugen, sondern auch die Labour-Partei in der damaligen Regierung Großbritanniens. So wurde der Streik zu einer international sichtbaren, politischen Verurteilung des Putsches, die über Radiosender wiederum den Weg in chilenische Foltergefängnisse fand und den inhaftierten und gemarterten Kampfgefährten Allendes dort neue Hoffnung auf den Sturz der Diktatur gab. Mithilfe der blockierten Turbinen gelang es sogar, eine große Zahl zum Tode verurteilter Anhänger der Unidad Popular freizubekommen und nach Großbritannien ausreisen zu lassen, was wiederum die Solidaritätsbewegung weltweit beflügelte und schließlich zum Sturz der Pinochet-Diktatur im Jahre 1988 beitrug.

Bezeichnend für die filmische Botschaft sind die Aussagen der Beteiligten zu ihrer Motivation. Als historisch-bewusste, in Solidarität verbundene Arbeiter bestand für sie nie ein Zweifel daran, dass das Schicksal der chilenischen Genoss:innen ihr eigenes ist. Mit diesem profund-humanistischen Verständnis des gemeinschaftlichen Kampfes zur Verwirklichung einer menschenwürdigen Zivilisationsentwicklung lässt sich dokumentierter Weise selbst eine faschistische Diktatur zu Fall bringen – gerade weil es um jeden Einzelnen geht, wenn es um die Befreiung Aller geht. So können Frieden, soziale Gleichheit und umfassend demokratische Partizipation gelingen.

Jetzt erst recht: International solidarisch – Schluss mit Austerität!

Me-Ti sagte: Die kein anderes Leben außer dem ihrigen fördern, leben nur ein schwaches Leben. Kleine Leute müssen andere berauben, große beschenken sie. Die kämpfenden Arbeiter, die ich getroffen habe, waren große Leute.“
Bertolt Brecht, „Me-Ti. Buch der Wendungen“, entstanden im Exil der 1930er Jahre.

Den Flyer findet ihr hier auch als [pdf] zum Download. 

Details

  • Datum: September 9
  • Zeit:
    8:15 a.m. - 11:30 p.m.

Veranstaltungsort

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